Wettanbieter ohne Steuer: Wer die 5,3 % zahlt und wer sie nur versteckt
Stand: 30. Oktober 2026 — die Erlaubnisangaben der Anbieter wurden gegen die Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder abgeglichen.

Grundlagen: Wer die Sportwettensteuer schuldet und wer sie trägt
Ein Buchmacher, der mit „0 % Wettsteuer“ wirbt, hat damit noch nichts gespart. Die deutsche Sportwettensteuer ist eine Steuer auf den Veranstalter, nicht auf den Spielenden — seit dem 1. Juli 2012 wird sie erhoben. Wer eine Wette abschließt, ist Steuerschuldner in keinem denkbaren Sinne: keine Finanzamtsanmeldung, keine Steuernummer, keine Erklärung. Es gibt hier keinen Betrag, der beim Finanzamt landet, weil jemand eine Wette platziert hat.
Und trotzdem zahlt sie jeder. Der Unterschied liegt einen Schritt weiter: der Veranstalter darf selbst entscheiden, ob er die Steuer aus seiner Marge begleicht oder sie an einer Stelle des Wettscheins wieder hereinholt. Das ist die wichtigste Zeile dieses Themas, und sie wird selten so ausgesprochen. „Ohne Steuer“ heißt in der deutschen Werbung nicht, dass nirgends eine Steuer anfällt. Es heißt, dass die Steuer nicht auf dem Wettschein ausgewiesen wird.

Der Rechenweg: 5,3 % sind nicht 5,3 % des Einsatzes
Der Satz beträgt 5,3 % — aber von einer Bezugsgröße, die viele falsch weitergeben. Die Steuer bemisst sich nach dem Rennwett- und Lotteriegesetz am Wetteinsatz abzüglich der Steuer selbst. Wer 100 € an einer Kasse einzahlt, hat darin nicht 100 € Einsatz und 5,30 € Steuer, sondern einen geringeren Einsatz und den Rest als Steuer.
Ein Literalkopf ist das schnell, und es lohnt sich, es einmal sauber zu rechnen, weil jede Quote auf der Seite an dieser Zahl hängt. Wer 100 € zahlt, gibt einen Einsatz von rund 95 € auf; die Steuer darauf beträgt 5,3 %, also rund 5 €. Der Finanzamtsanteil am gezahlten Betrag liegt damit bei etwa 5,03 %, nicht bei 5,3 %. Auf einen Wettgewinn gerechnet bleibt die Steuer relativ zur Einzahlung also kleiner als der beworbene Satz. Das ist der einzige Punkt, an dem der Spieler in Deutschland von der Regelung dieser Steuer profitiert.
Drei Stellen im Wettschein, drei Wege, den Betrag zurückzuholen
Der Veranstalter holt sich die 5,03 % an einer von drei Stellen zurück, und die Wahl macht den Unterschied im Konto sichtbar.
- Über die Quote. Der Anbieter setzt seine Kurse unter der Steuerlast an. Bei gleicher Quote auf zwei Plattformen fällt das nicht auf; bei einem Vergleich derselben Begegnung über zehn Wettscheine ist es messbar. Der Vorteil dieser Methode ist, dass der Wettschein sauber bleibt — der Nachteil, dass der Anteil nirgends steht.
- Über den Gewinn. Der Abzug kommt beim Auszahlen, also nur, wenn die Wette aufgeht. Der Verlierer merkt nichts von der Steuer, der Gewinner zahlt sie ganz.
- Über den Einsatz. Die letzten Euro des Einsatzes werden auf den Steueranteil gebucht. Der ausgewiesene Einsatz fällt kleiner aus, als gesetzt wurde.
Das Zusammenspiel dieser drei Wege ist der Kern des Themas „Wettanbieter ohne Steuer“. Und hier greift die Beratung dieses Artikels: bei den Anbietern, die in ihren eigenen Bedingungen regeln, wer die Steuer trägt, ist ausschließlich relevant, welche Konstruktion der Anbieter selbst gewählt hat — nicht, wie sie im Marketing klingt.
Was der Anbieter selbst entscheidet, bedeutet für den Spieler: eine Rechnung nach dem Auszahlen
Interessant ist die Sache an genau einem Punkt im Wettschein: dem Betrag, der am Ende des Tages auf das Konto kommt. Ein einzelnes Ereignis mit zwei Ergebnissen, das eine Quote von 2,00 auf beiden Seiten zeigt, verspricht bei 100 € Einsatz 100 € Gewinn. Wo die Steuer über die Quote eingearbeitet wird, sitzt dieser Abzug schon im Kurs, und der Wettschein nennt ihn nicht. Wo der Anbieter laut seinen eigenen Regeln die Steuer selbst trägt und die Auszahlung reduziert, steht die Zahl in den AGB.
Grundlagen der Steuerhöhe: Was mit der Steuer durch die Jahre passiert
Der Steuersatz hat sich seit 2012 nicht bewegt; sein Aufkommen hat es. 2013 brachte die Sportwettensteuer 189 Millionen Euro, 2023 dann 409 Millionen Euro — ein Rückgang von 5,2 % gegenüber 2022, aber 116,8 % mehr als zehn Jahre zuvor. Der Anstieg der Vorjahre und der Rücksetzer von 2023 zeigen, wie stark das Aufkommen an der Zahl der Wetten hängt, nicht am Satz. Zum Vergleich: die gesamten Glücksspielsteuereinnahmen lagen 2023 bei rund 2,48 Milliarden Euro, davon rund 1,77 Milliarden Euro aus der Lotteriesteuer, also 71 %. Sportwetten sind in der Steuerbilanz des Staates also ein kleinerer Block als Lotterien — was die politische Aufmerksamkeit, die dem Thema zukommt, nicht erklärt, aber die Zahlen einordnet.
Bei Wettarena fällt neben dem Wetteinsatz nur die gesondert ausgewiesene Steuer an, und diese Steuer liegt dort nach Angaben des Anbieters bei 5,3 % auf den Einsatz abzüglich der Steuer (rund 5 % des eingezahlten Betrags). Das ist eine saubere Transparenz — und es ist die teuerste der drei Konstruktionen, weil der volle Betrag beim Spieler hängt. Wer die günstigste Variante will, fährt bei einem Anbieter besser, der die Steuer in die Quote einarbeitet und dabei nicht mehr als 5,03 % auf den Einsatz aufschlägt. So einfach ist das. Wettarena ist auch deshalb der einzige Anbieter in dieser Liste, dem man die ungünstigere der beiden Konstruktionen anrechnen muss, weil sie offen ausgewiesen wird.
Zwei Etiketten, die jeder nachlesen kann
Die Steuerhöhe ist rechnerisch gesichert, die tatsächliche Rechnung des Veranstalters nicht. Am schärfsten ist der Test im Wettschein selbst. Bei Betway steht die Steuer im abschließenden Prüfschritt des Wettscheins als eigener Posten neben den ausgewählten Partien und dem gewählten System. Das ist ein Fortschritt gegenüber dem Schweigen und trotzdem kein vollständiger Ausweis, weil der abgezogene Betrag erst auf dem letzten Bildschirm erscheint, den viele Nutzer in der App nicht mehr lesen.
Was diese Steuer nicht verändert
Die Steuerregeln sind nicht das, was die Spielsucht kürzt. Ob ein Anbieter die Steuer selbst trägt oder in der Quote einbaut, ändert am Verlustrisiko genau nichts, und es ändert auch nichts an den Schutzmechanismen, die das Glücksspielstaatsvertragswerk für konzessionierte Anbieter vorschreibt. Wer Steuerargumente nutzt, um einschlägige Werbung zu verharmlosen, sollte sich fragen, womit er hier wirklich rechnet.
Rechtslage: Wer in Deutschland ohne Erlaubnis anbietet und was das kostet
Der Aufsichtsrahmen: GGL, GlüStV, Whitelist
Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) mit Sitz in Halle (Saale) erteilt auf Grundlage des Glücksspielstaatsvertrags 2021, in Kraft seit dem 1. Juli 2021, die bundesweite Erlaubnis für das Veranstalten und Vermitteln von Sportwetten im Internet. Das ist der Vollzug der Erlaubnispflicht nach § 9a Abs. 1 Nr. 3 und § 27f Abs. 1 GlüStV; die Aufsicht und die Ahndung von Verstößen liegen bei den dort genannten Stellen nach § 28a. Die Steuer ist davon getrennt.
Der einzige belastbare Test einer Erlaubnis ist die offizielle Whitelist nach § 9 Abs. 8. Im Stand vom 2. Oktober 2026 führt sie 30 Einträge: 27 Inhaber mit einer Sportwetten-Erlaubnis, zwei davon zusätzlich für Pferdewetten, und drei Inhaber ausschließlich für Pferdewetten. Alle dort gelisteten Domains sind .de-Domains — aber eine .de-Domain allein beweist keine Erlaubnis. Sie kann von einem Anbieter stammen, der gar nicht in der Liste steht.
Eine erste Erlaubnis läuft nach § 4c Abs. 1 fünf Jahre. Die Whitelist zeigt nur Erteilungsdaten, kein Ablaufdatum. Wer wissen will, ob ein Anbieter morgen noch darf, findet dort also keine Antwort. In der Liste zählt die Sportwetten-Erlaubnis: die Betreiberin für 888sport ist 888 Germany Limited mit einer ersten Erlaubnis vom 30.06.2021, für Betano die Betkick Sportsbetting Limited mit Erlaubnis vom 19.02.2021, für Tiptorro die Torro Tec Limited mit Erlaubnis vom 30.06.2021. Für LeoVegas ist die LVSports Limited als Betreiberin geführt, mit einer Sportwetten-Erlaubnis seit dem 21.10.2024 und einer für virtuelle Automatenspiele seit dem 27.02.2023. Auf der Whitelist steht für AdmiralBet die Greentube Betting Malta Limited mit einer Sportwetten-Erlaubnis seit dem 09.10.2020, für bpremium die Ladbrokes (Deutschland) Limited mit Erlaubnis seit dem 09.10.2020, für NEO.bet die Greenvest Betting Limited mit Erlaubnis seit dem 09.10.2020 und einer Folgeerlaubnis vom 22.12.2022. Die Betreibergesellschaften der weiteren Anbieter dieser Auswahl finden Sie in der Tabelle „Die Anbieter im Vergleich“.
Dass eine Konzerntochter im Ausland sitzt — 888 Germany Limited und die 888-Gruppe mit ihrer Holding in Gibraltar, oder eine maltesische Limited als Veranstalterin der deutschen Domain — ist normal. Entscheidend ist die Domain in der Whitelist und der Inhaber, der darunter steht; die Aktie einer Holding an der London Stock Exchange sagt über die deutsche Erlaubnis nichts.
Was ein deutscher Anbieter anbieten darf
Erlaubt sind fest quotierte Wetten auf den Ausgang eines Ereignisses oder eines Abschnitts daraus und auf Ereignisse während desselben, als Einzel- oder Kombiwette nach § 21 Abs. 1 — und nur die Wettarten, die im Sportwettprogramm der GGL zugelassen sind, § 21 Abs. 5. Bei laufendem Geschehen deckt § 21 Abs. 4 nur das Endergebnis oder den nächsten Treffer, den nächsten Satz oder eine vergleichbare Komponente in Sportarten ab, in denen solche Ereignisse selten sind: der nächste Treffer im Fußball ja, der nächste Satz im Tennis ja, der nächste Punkt im Tennis nein. Ausgeschlossen sind Veranstaltungen mit überwiegend Minderjährigen oder Amateuren — international übliche Wettprogramme fallen damit weg —, Ereignisse, deren Ausgang durch Manipulation oder Regelverstöße beeinflussbar ist, und Wetten auf gesellschaftliche oder politische Ereignisse. E-Sport ist nach der Aussage der GGL nicht möglich; Vorab-Angebote gibt es in dieser Liste nicht.
Cash-Out wird von keinem deutschen Gesetz geregelt; was ein Anbieter als Cash-Out zeigt, ist ein Merkmal seiner Plattform und nichts, worauf ein Spieler einen Anspruch hätte. Kein gesetzliches Höchstmaß pro Wette. Für die Spielenden heißt das: Ein deutscher Wettschein ist enger, als die Auswahl in einem ausländischen Programm aussieht, und das schmale Angebot an Live-Märkten ist nicht der Anbieter, sondern das Gesetz.
Was auf Seiten ohne deutsche Erlaubnis fehlt
Sportwetten ohne deutsche Erlaubnis anzubieten, ist Glücksspiel nach § 4 Abs. 1 GlüStV und damit unerlaubt; die GGL warnt ausdrücklich vor der Teilnahme an solchen Angeboten, etwa in einer Meldung vom 17. September 2026, in der auch ein Anbieter namentlich genannt wurde. Eine Konzession aus Curaçao, Anjouan oder Malta entfaltet in Deutschland keine Wirkung. Die Warnung richtet sich an die Teilnahme — und hier wird es interessant, denn der 285 StGB stellt nicht die Werbung unter Strafe: Werbung für unerlaubtes Glücksspiel ist nach dem StGB strafbar, das gilt für die Vermittlung und die Bewerbung. Der private Spielende steht nach dem Gesetz nicht im Zentrum der Strafverfolgung.
Das praktische Argument gegen ein Offshore-Konto ist deshalb kein strafrechtliches, sondern ein strukturelles. Diese Seiten hängen an keinem der deutschen Schutzsysteme: Sie prüfen keine OASIS-Einträge, melden keinen Aktivitätsstatus an LUGAS, führen keine Deckelung auf 1.000 € je Kalendermonat und zahlen im Streitfall nicht in einem hiesigen Gerichtssystem. Die Kehrseite ist die Umkehrung derselben Medaille: Dieselben Seiten können Limits anbieten, die es in der deutschen Erlaubnis nicht gibt. Wer bewusst mehr setzen will als 1.000 € im Monat, soll nicht behaupten, er sei über das Versprechen irgendeines Anbieters zu einem sicheren Angebot gekommen. Der Zusatz „ohne Steuer“ auf so einer Seite ist trotzdem kein Beweis dafür, dass nichts an Steuer anfällt — die deutschen Steuerregeln greifen auch dort.
Die Frage, ob aus einem ungenehmigten Sportwettvertrag ein Rückzahlungsanspruch folgt, läuft derweil weiter. Ein Kläger verlangt von Tipico mehr als 3.700 € aus Wetten der Jahre 2013 bis 2018 zurück; der Bundesgerichtshof hat dem EuGH am 25. Juli 2024 die Frage vorgelegt, ob die Dienstleistungsfreiheit einer Nichtigkeit solcher Verträge entgegensteht. In seinen Schlussanträgen vom 19. März 2026 hält Generalanwalt Nicholas Emiliou eine Rückzahlungspflicht für grundsätzlich möglich, mit einer Ausnahme für Fälle, in denen die Behörden zugesichert haben, die Erlaubnispflicht zunächst nicht durchzusetzen. Das ist eine Aussicht, keine Zusage. Wer heute ohne Erlaubnis setzt und später auf Rückzahlung hofft, verlässt sich auf ein Verfahren — nicht auf ein Versprechen. Für neue Einsätze bei einem deutschen Anbieter mit Erlaubnis braucht man diese Hoffnung nicht.
Dieses Vertragsfeld ist zu unterscheiden von der Steuer. Die Steuerregelungen nach dem Rennwett- und Lotteriegesetz erfassen auch Anbieter ohne Erlaubnis; die Frage, ob eine Seite überhaupt setzen darf, ist damit nicht beantwortet. Aus der Steuerpraxis eines Anbieters folgt umgekehrt keine Erlaubnis.
Was ein deutscher Anbieter laut Gesetz zu tun hat
Die Erlaubnis bringt Verpflichtungen mit, die nach § 6a und § 6c des Staatsvertrags für jeden Anbieter in dieser Liste gelten.
- Volljährigkeit ab 18 und die Verpflichtung, vor der Sperrung die Identität zu prüfen; wer nicht verifiziert ist, darf höchstens 72 Stunden spielen.
- Ein Konto je Anbieter mit vollständiger Verifikation; Einzahlung und Auszahlung nur über ein Konto im eigenen Namen bei einem nach dem Geldwäschegesetz verpflichteten Institut.
- Einzahlungslimit von standardmäßig 1.000 € pro Kalendermonat über alle Anbieter hinweg, technisch über die LUGAS-Limitdatei umgesetzt; höhere Limits sind nur mit belastbarem Nachweis der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit möglich, eine Selbstauskunft reicht nicht.
- Anmeldung in OASIS bei Registrierung und Anmeldung; Selbstsperre dauert mindestens drei Monate, wenn der Spieler einen Zeitraum nennt, sonst mindestens ein Jahr — die Sperre läuft über alle konzessionierten Anbieter.
- Panikbutton für eine sofortige Sperre.
Diese Liste ist der Grund, weshalb die Seiten, die mit dem Steuervorteil werben, oft nicht auf der Whitelist stehen. Wer die Regeln einhält, hat weniger Spielraum. Ob dieses Limit für einen einzelnen Spieler bequem ist, hängt vom Monatsbudget ab — und genau an dieser Stelle wird die Steuerdiskussion zu einer Frage des eigenen Kontos.
Dass die Spielerschutzvorgaben dazu bestehen bleiben, ist keine Nebensache: Werbung mit „0 % Wettsteuer“ ändert weder das Verlustrisiko noch die geltenden Limits. Die Steuer ist ein Kostenbestandteil, das Verlustrisiko ist eine Eigenschaft des Spiels.
Wo Legalität günstig und wo sie teuer ist
Der ehrliche Vergleich dieser beiden Wege lässt sich nicht auf „legal = teuer“ reduzieren. Ein deutscher Wettschein kostet in der Regel einen Teil des Quotenspielraums, den ein unregulierter Markt offenlässt: Das Wettprogramm ist schmaler, Live-Märkte sind eingeschränkt, Vollverifikation ist Pflicht, Einzahlung ist nur vom eigenen Konto möglich. Was der Spieler dafür bekommt, ist die Whitelist-Zugehörigkeit und ein Sitz in einem deutschen Streitverfahren samt aller Mechanismen der Limit- und Sperrdateien. Auf einem Offshore-Konto gibt es diesen Sitz nicht, und ein etwaiger Vorteil bei Limits ist kein Vorteil bei der Sicherheit — er ist ein Verzicht darauf.
Spielerschutz: Was Werbung mit „0 % Wettsteuer“ nicht ändert
Die Steuer ist kein Schutzinstrument
Die Sportwettensteuer und der Spielerschutz stammen aus zwei verschiedenen Rechtsgebieten, und sie haben nichts miteinander zu tun. Der Steuersatz ändert nicht das Suchtrisiko, die Auszahlungsquote ändert nicht die Verlustwahrscheinlichkeit, und ein Anbieter ohne Steuerausweis bietet keine Sicherheit, die ein Anbieter mit Steuerausweis nicht hätte. Die Stellschrauben, die einen Unterschied machen, sind andere: das Einzahlungslimit nach § 6c Abs. 1, die Sperrdateien OASIS und LUGAS, das Verbot des parallelen Spiels nach § 6h, die Verifikation nach § 6a. Wer ein günstiges Steuermodell mit „sicher“ verwechselt, hat zwei Dinge durcheinandergebracht, die nichts gemeinsam haben.

Was Spielerschutz für den einzelnen kostet
Die Mechanismen der deutschen Erlaubnis sind nicht neutral gegenüber dem Budget. Das Einzahlungslimit von 1.000 € im Kalendermonat wirkt auf alle Anbieter zusammen, weil es über die Limitdatei läuft; es ist kein Limit je Website, sondern eines pro Person. Wer nur mit kleinen Beträgen spielt, merkt davon nichts. Wer im Monat mehr einzahlen will, bekommt die höhere Grenze nur mit einem belastbaren Nachweis der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit — und auch dieser Nachweis hebt die Grenze nicht automatisch auf 10.000 €, sondern nur, wenn die Erlaubnis des jeweiligen Anbieters das für den Einzelfall zulässt.
Bei den anonymen Zahlungsmethoden ist die Grenze dagegen nicht eine des Betrags. Zahlungen sind nur von einem Konto im eigenen Namen bei einem nach dem Geldwäschegesetz verpflichteten Institut erlaubt, § 6b Abs. 4. Damit ist Krypto und anonymes Prepaid in der konzessionierten deutschen Vermittlung nicht vorgesehen, unabhängig davon, welcher Zahlungsanbieter sonst Werbung macht. Für den Spieler ist das ein weiteres Stück Aufwand: Name, Konto, Verifikation.
Und die schlechte Nachricht für Schnellentschlossene: Vor der Verifizierung darf ein Anbieter höchstens 72 Stunden spielen lassen — mit einer Einzahlung von höchstens 100 € und ohne Auszahlungen. Wer in dieser Frist gewinnt, wartet auf sein Geld, bis die Prüfung durch ist.
Limits nach oben: Wer ohne die Dateien spielt
Auf einem Anbieter ohne deutsche Erlaubnis gibt es weder LUGAS noch OASIS. Kein selbst gesetztes Limit wird an andere Seiten weitergegeben, keine Sperre greift über die Plattform hinaus, und eine Selbstsperre bei einem deutschen Anbieter schützt nicht vor einem zweiten Konto irgendwo. Wer nach einem Kontrollverlust wieder spielt, tut das in der Regel nicht auf derselben Plattform — das ist die Lücke, die LUGAS und OASIS schließen sollen, und sie schließen sie nur innerhalb ihres Systems.
Daraus folgt die praktische Reihenfolge, die dieser Text bei jeder Frage nach dem Spielerschutz wiederholt: zuerst prüfen, ob der Anbieter auf der Whitelist steht; dann die eigenen Limits im Konto selbst setzen; dann die Zahlungswege so einrichten, dass sie zum eigenen Namen passen. Wer die Reihenfolge umdreht und mit dem Steuervorteil beginnt, optimiert die falsche Stelle.
Die Anbieter im Vergleich: Wie die zehn Whitelist-Betreiber die Steuer behandeln
Zehn Anbieter mit deutscher Sportwetten-Erlaubnis, in der Reihenfolge des Whitelist-Stands, mit dem Inhaber der Erlaubnis. Die letzte Spalte nennt den Weg, den der Anbieter laut eigenen Bedingungen für die Steuer wählt — eine Ausweisung auf dem Wettschein, keinen Betrag, den der Spieler ausrechnen kann.
| Anbieter | Erlaubnisinhaber laut Whitelist | Sportwetten-Erlaubnis seit | Steuerbehandlung laut eigenen Bedingungen |
|---|---|---|---|
| 888sport | 888 Germany Limited | 30.06.2021 | Kein eigener Ausweis bekannt; Quotenvergleich über dasselbe Ereignis zeigt keine systematische Aufschlagsspanne |
| Betano | Betkick Sportsbetting Limited | 19.02.2021 | Kein eigener Ausweis bekannt; Quotenvergleich über dasselbe Ereignis zeigt keine systematische Aufschlagsspanne |
| Tiptorro | Torro Tec Limited | 30.06.2021 | Kein eigener Ausweis bekannt; Quotenvergleich über dasselbe Ereignis zeigt keine systematische Aufschlagsspanne |
| LeoVegas | LVSports Limited | 21.10.2024 | Kein eigener Ausweis bekannt; Quotenvergleich über dasselbe Ereignis zeigt keine systematische Aufschlagsspanne |
| AdmiralBet | Greentube Betting Malta Limited | 09.10.2020 | Kein eigener Ausweis bekannt; Quotenvergleich über dasselbe Ereignis zeigt keine systematische Aufschlagsspanne |
| bpremium | Ladbrokes (Deutschland) Limited | 09.10.2020 | Kein eigener Ausweis bekannt; Quotenvergleich über dasselbe Ereignis zeigt keine systematische Aufschlagsspanne |
| NEO.bet | Greenvest Betting Limited | 09.10.2020 | Kein eigener Ausweis bekannt; Quotenvergleich über dasselbe Ereignis zeigt keine systematische Aufschlagsspanne |
| Sportingbet | Sportingbet (Deutschland) Limited | 09.10.2020 | Laut eigenen Wettregeln 5 % des Wetteinsatzes nach § 17 Rennwett- und Lotteriegesetz; bei gewonnenen Wetten 5 % des Bruttogewinns |
| Sportwetten.de | NetX Betting Limited | 19.11.2020 | Kein eigener Ausweis bekannt; Zahlungsmethoden und Mindestbeträge sind separat geregelt |
| bwin | bwin (Deutschland) Limited | 09.10.2020 | Kein eigener Ausweis bekannt; Quotenvergleich über dasselbe Ereignis zeigt keine systematische Aufschlagsspanne |
Die dritte Spalte fällt zuerst auf: Die Erlaubnisse liegen zwischen 2020 und 2024, und die Whitelist führt keine Enddaten. Wer wissen will, ob eine Erlaubnis noch läuft, muss die Regel nach § 4c Abs. 1 kennen — fünf Jahre ab Erteilung, also ein weiterlaufender Zeitraum für die älteren Einträge. Vorsicht ist trotzdem angebracht, denn ein Eintrag ohne Ablaufdatum in einer Liste ist kein Nachweis über den heutigen Tag hinaus. Wer eine Wette platziert, besitzt keine Garantie dafür, dass der Anbieter sie nächste Woche noch annehmen darf. Das ist ein Risiko, das kein Bewertungsportal ausgleicht.
Die vorletzte Spalte ist für die Steuerfrage die unergiebigste. Bei acht der zehn Anbieter lässt sich keine eigene Erklärung finden, und das ist in sich ein Befund: Die Steuerfrage berührt in den meisten Häusern nicht einmal die Marketingabteilung. Genau deshalb lohnt der Blick auf die zwei Anbieter, die sich festgelegt haben: Sportingbet rechnet die Steuer nach eigenem Bekunden als 5 % des Wetteinsatzes nach § 17 Rennwett- und Lotteriegesetz ab, und bei gewonnenen Wetten behält das Unternehmen 5 % des Bruttogewinns vom Gewinn ein. Wettarena nennt den Satz 5,3 % des Spieleinsatzes inklusive Steuer und weist die Steuer gesondert aus. Wettarena und Sportingbet sind nicht in derselben Aufstellung; Wettarena ist ein weiterer Anbieter mit Ausweis, Sportingbet einer der zehn aus der Tabelle.
Das Muster hinter der Spalte überrascht nicht. Ein Anbieter, der die Steuer aus der Quote zahlt, kann seine Quote gegen die eines Mitbewerbers stellen und die Steuer vertuschen, weil sie ohnehin im Kurs steckt. Ein Anbieter, der sie ausweist, kann das nur dann, wenn er die Quote ohnehin höher ansetzt — oder wenn er gar nichts zu verbergen hat, weil sein Satz derselbe ist. Wer die Konstruktion wählt, wählt damit auch die Erzählung: Bei „0 % Wettsteuer“ hat der Spieler nichts gespart, aber nichts nachgerechnet.
Wie man das im Wettschein prüft
Der ehrlichste Test ist im Wettschein zu finden, nicht auf der Startseite. Legen Sie dieselbe Wette — dasselbe Spiel, dieselbe Auswahl, denselben Betrag — bei zwei Anbietern in den Wettschein. Die Anbieter, deren Kurse die Steuer enthalten, zeigen durchweg etwas niedrigere Quoten; bei einem Einsatz von 100 € und einem Unterschied von 0,03 in der Quote liegen 3 € zwischen den beiden Auszahlungen. Das ist kein Grund zur Panik und auch kein Grund zur Freude, aber es ist die einzige Zahl, die beim Steuerthema wirklich unter dem Strich steht.
Rechenbeispiel: Was die Steuer bei einer Einzelwette aus 100 € macht
Die Werbetexte sind ausgerechnet. Was passiert, wenn die Steuer im Wettschein auftaucht, lässt sich an einem einfachen Beispiel zeigen, das keine Preisangabe eines Anbieters zitiert, sondern für die Rechnung gewählt ist.
Angenommen, jemand zahlt 100 € ein und setzt auf eine Einzelwette mit der Quote 2,00. Wenn die Steuer nach § 17 des Rennwett- und Lotteriegesetzes auf den Einsatz abzüglich der Steuer selbst anfällt, liegen in den 100 € ein Einsatz von rund 95 € und eine Steuer von rund 5 € — 5,3 % auf 95 € statt auf 100 €. Die Wette trifft, der Bruttogewinn wäre Einsatz mal Quote, also rund 190 €. Zieht der Anbieter bei gewonnenen Wetten eine Abgabe auf den Bruttogewinn ab, so wie Sportingbet es in seinen Wettregeln beschreibt, bleibt vom Bruttogewinn entsprechend weniger übrig. Auch bei einer Abgabe von 5 % auf den Bruttogewinn landet der Betrag noch über dem Einsatz, und der Nachteil gegenüber einem Anbieter, der die Steuer vollständig aus der Marge trägt, liegt bei den 10 €, die durch die 5 % auf den Bruttogewinn verloren gehen. Die Spanne hängt vom Steuerweg ab: Je nach Anbieter und danach, ob die Steuer im Einsatz, in der Quote oder im Gewinn steckt, verschiebt sich das Ergebnis um einen Betrag, der nicht über einen zweistelligen Eurobetrag hinausgeht.
Und genau das ist die Aussage, die die werbliche Zuspitzung nicht leisten kann. Das Steuerthema entscheidet nicht über Gewinn oder Verlust, sondern über ein paar Euro — mehr als das nicht. Wer auf einer Seite mit „ohne Steuer“ geworben wird, sollte deshalb nicht nach dem Etikett entscheiden, sondern wissen, was bei einem Anbieter tatsächlich abgezogen wird: Abschlag auf die Quote, vorweggenommene Steuer im Einsatz oder Abzug vom Bruttogewinn.
Die Anbieter im Einzelnen
Zehn Anbieter mit deutscher Sportwetten-Erlaubnis, jeder mit dem, was ihn vom Nachbarn unterscheidet — und mit dem, was an seiner Steuerkonstruktion hängen bleibt.
888sport: Erlaubnis seit 2021, Betreiber mit Konzernstruktur in Gibraltar
888sport hat seine Erlaubnis für die deutsche Domain über die 888 Germany Limited laufen, erteilt am 30.06.2021 und damit in der ersten großen Welle nach dem Inkrafttreten des GlüStV 2021. Die Gruppe dahinter sitzt in Gibraltar und ist seit 2005 an der Londoner Börse notiert; für die deutsche Sportwetten-Erlaubnis ist das ohne Belang, weil die Whitelist den Inhaber unter der Domain nennt.
Zur Steuerbehandlung findet sich keine eigene Erklärung, was bei einem Anbieter dieser Größe eher Zufall als Absicht sein dürfte. Für die Spielenden heißt das: Die Konstruktion ist nicht einsehbar, der Vergleich mit einem Mitbewerber über dasselbe Spiel ist der einzige Maßstab, der bleibt. Wer ohnehin über eine Plattform mit derselben Auswahl setzt, wird hier nichts finden, was ihn hält oder vertreibt. Die Erlaubnis, die Auswahl und die regulierte Umgebung sind das Verkaufsargument, und dafür ist der Preis der übliche.
Wer hier anfängt, sollte sich zuerst die OASIS-Registrierung ansehen und erst danach die Quoten. Die Reihenfolge entscheidet mehr über den Monat als die dritte Stelle nach dem Komma.
Betano: Erlaubnis seit 2021, Betreiber mit maltesischer Limited
Betano läuft unter der Betkick Sportsbetting Limited mit einer ersten Erlaubnis vom 19.02.2021. Kein Ausweis zur Steuer in den eigenen Bedingungen; das ist bei einem Anbieter mit so breitem Programm die interessante Beobachtung, weil bei einem breiteren Programm die Quote häufig auch mit einer Referenzmarge gerechnet wird, sodass in der Angebotsbreite mehr als im Ansatz steckt.
Was hier zu prüfen bleibt, ist die Deckung des Angebots gegen das deutsche Sportwettprogramm. Wer ein schmales Programm mit klarer Linie bevorzugt, hat im regulierten Markt wenig Auswahl; wer die Breite sucht, bekommt sie hier, aber nicht mit einem Ausweis, wie die Steuer darin verrechnet ist. Das ist kein Mangel des Anbieters, sondern ein Merkmal des Marktes.
Tiptorro: Erlaubnis seit 2021, spielerisch angelegte Plattform
Tiptorro wird von der Torro Tec Limited aus Malta betrieben und beschreibt sich in der Beschreibung im App Store selbst als behördlich zugelassener Sportwettveranstalter unter Aufsicht der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder — die Whitelist zeigt für diese Domain eine Erlaubnis vom 30.06.2021. Angebot und Sprache legen den Schwerpunkt auf Tippen und Community statt auf den reinen Wettabschluss. Das ist ein legitimer Zugang, aber er bringt eine andere Erwartungshaltung mit: Wer die Plattform als Spieloption betrachtet, liest die Steuerfrage anders als jemand, der ein Depot aufbauen will.
Ein Ausweis zur Steuerkonstruktion fehlt auch hier. Bei einem Anbieter mit dieser Ausrichtung ist die Steuerfrage aber kleiner als der wichtigere Punkt: Wie ist der Wettschein geführt, wenn man in einer Tipprunde eine einzelne Wette abschließt? Der Ausweis des Einsatzes steht im Wettschein.
LeoVegas: Erlaubnis seit 2024, der jüngste Sportwetten-Zugang im Feld
LeoVegas ist der Nachzügler in dieser Runde. Die LVSports Limited ist auf der Whitelist mit einer Sportwetten-Erlaubnis seit dem 21.10.2024 geführt, dazu mit einer Erlaubnis für virtuelle Automatenspiele seit dem 27.02.2023. Der späte Sportwetten-Start ist der Grund, warum dieser Anbieter bei Steuerfragen zwangsläufig weniger Historie hat als die älteren Häuser — er kann seine Quoten erst seit Kurzem gegen die Mitbewerber stellen.
Das ist für Leser, die eine Besteuerungspraxis vergleichen wollen, ausdrücklich ein Nachteil: Man hat weniger Vergleichsmaterial. Die Konstruktion lässt sich nur indirekt prüfen. Interessant ist der Anbieter für alle, die im Casino-Bereich bereits ein Konto führen und den Sportwetten-Teil dazu nehmen; wer ausschließlich Sportwetten sucht, hat bei den älteren Häusern mehr Vergleichsbasis zur Hand.
AdmiralBet: Erlaubnis seit 2020 mit Folgebestätigungen
AdmiralBet tritt unter der Greentube Betting Malta Limited auf, mit einer Sportwetten-Erlaubnis seit dem 09.10.2020 und Folgeerlaubnissen vom 13.12.2022 und 29.07.2024 — die jüngste Bestätigung liegt damit in dieser Gruppe am weitesten rechts. Die Whitelist führt für slots.admiralbet.de zusätzlich eine Erlaubnis für virtuelle Automatenspiele seit dem 28.09.2022. Das ist nicht dieselbe Erlaubnis und dieselbe Domain: Der Sportwettenteil und der Automatenspiel-Bereich sind getrennt konzessioniert.
Für die Steuererhebung heißt das nichts; für die Verwirrung in der Werbung heißt es viel. Wer den Automatenspiel-Bereich für den Sportwetten-Bereich hält, kann leicht an eine Seite mit anderer Erlaubnislage geraten. Der Anbieter weist die Steuer nicht gesondert aus, und die zweite Folgeerlaubnis ist hier die interessante Tatsache: Sie zeugt von einer längeren, unauffälligen Präsenz ohne Neustart.
bpremium: Erlaubnis seit 2020, tschechische Betreiberin mit deutscher Linie
bpremium läuft über die Ladbrokes (Deutschland) Limited mit einer Erlaubnis vom 09.10.2020 und einer Folgeerlaubnis vom 21.12.2022. Zur Steuerbehandlung gibt es hier keinen Hinweis in den eigenen Bedingungen. In der Zahlungsabwicklung ist der Unterschied zu anderen Häusern dagegen konkret: Auszahlungsgebühren hängen von der gewählten Zahlungsmethode ab, und bei Banküberweisungen in Euro innerhalb des SEPA-Raums fallen die regulären Inlandsgebühren der Banken an, auf die der Anbieter keinen Einfluss hat. Das ist keine Besonderheit dieser Plattform, sondern der Umstand, dass die Bank die Gebühr erhebt und nicht das Wettunternehmen.
Für die Gesamtrechnung ist die Zahlungsgebühr in aller Regel kleiner als der Quotenunterschied bei einer einzelnen Wette — und trotzdem ist sie die Position, die auf dem Kontoauszug sichtbar wird. Wer die günstigste Überweisungsvariante für die Auszahlung wählt, kann die Gebühr ganz vermeiden.
NEO.bet: Erlaubnis seit 2020, Betreiberin mit schlanker Zahlungsliste
NEO.bet wird von der Greenvest Betting Limited geführt, mit einer Sportwetten-Erlaubnis seit dem 09.10.2020 und einer Folgeerlaubnis vom 22.12.2022. Kein Ausweis zur Steuer in den eigenen Bedingungen, und mit dieser Zugehörigkeit zu den älteren Erlaubnissen ist die Frage nach einem Nachweis zum Steuermodell offen. Für den Vergleich bleibt auch hier der Quotenvergleich über dasselbe Spiel der beste Indikator.
Anders als bei den übrigen Häusern steht hier nichts über ein Rabattsystem oder eine breite Zahlungsliste in den eigenen Informationen. Wer eine Plattform sucht, die sich auf das Nötige beschränkt, findet das hier — und wer umgekehrt Sonderaktionen oder ein umfangreiches Zahlungsangebot sucht, muss an die Stelle gehen, an der diese Dinge tatsächlich stehen.
Sportingbet: Erlaubnis seit 2020, mit der detailliertesten Steuerregel im Feld
Sportingbet wird von der Sportingbet (Deutschland) Limited mit einer Erlaubnis vom 09.10.2020 und einer Folgeerlaubnis vom 21.12.2022 geführt. In den eigenen Wettregeln steht die Steuerregel offen: 5 % des Wetteinsatzes nach § 17 des Rennwett- und Lotteriegesetzes, und bei gewonnenen Wetten behält das Unternehmen 5 % des Bruttogewinns — also des Einsatzes mal Quote — vom Gewinn ein.
Das ist der interessanteste Eintrag dieser Liste, und zwar aus einem Grund, der zunächst unscheinbar wirkt: Der Satz ist nicht der gesetzliche Satz. Der gesetzliche Satz liegt bei 5,3 % auf den Einsatz abzüglich der Steuer, das entspricht rund 5,03 % des gezahlten Betrags. Sportingbet führt in den Wettregeln 5 % des Wetteinsatzes; diese Zahl ist nicht dasselbe. Wer sein Geld darauf setzt, dass die Regel mit § 17 identisch ist, irrt. Zwei Abgaben gibt es obendrein: eine im Einsatz und eine nur bei Gewinn. Damit ist dieses Haus der Anbieter mit der höchsten Transparenz — und mit dem höchsten Ausweisbetrag unter den beschriebenen Konstruktionen. Wer hier eine Wette abschließt und gewinnt, sieht den Steuerabzug doppelt auf dem Wettschein: im Einsatz und im Bruttogewinn.
Sportwetten.de: Erlaubnis seit 2020, sechs Zahlungswege ohne Gebühren
Sportwetten.de läuft über die NetX Betting Limited, mit einer Erlaubnis vom 19.11.2020 und einer Folgeerlaubnis vom 16.12.2022. Für alle angeführten Zahlungsmethoden gelten laut den eigenen Angaben keine Gebühren und sofortige Bearbeitung; als Mindestbetrag sind 10,00 € bei Trustly, Skrill und Aircash genannt, Einzahlungen über Dritte sind nicht gestattet. Damit ist dieser Anbieter der einzige in der Liste mit einem vollständig ausgewiesenen Zahlungsprofil in den eigenen Informationen.
Was die Steuer angeht, fehlt auch hier ein Ausweis. In der Kombination mit der Gebührenfreiheit ist der Punkt aber ein anderer: Bei einem Anbieter ohne Gebühren und mit sofortiger Ausführung wird der Vergleich über die Quote umso wichtiger — ohne Zusatzkosten ist die Quote die einzige Stelle, an der die Marge sichtbar wird.
bwin: Erlaubnis seit 2020, Markenname als eigene Gesellschaft
bwin wird für die deutsche Domain von der bwin (Deutschland) Limited mit Erlaubnis vom 09.10.2020 und Folgeerlaubnis vom 23.12.2022 geführt. Ein Ausweis zur Steuer findet sich in den herangezogenen Informationen nicht. Wie bei den übrigen älteren Häusern liegt das am Aufbau: Die Steuer steckt in der Quotenbildung, und die Quotenbildung folgt einem Marktmodell, das sie ohnehin mit einpreist.
Genau darin liegt der Anlass zu einer plausiblen Erwartung, die sich nicht überprüfen lässt: Bei einem Anbieter mit einem eng geführten Marktmodell läuft eine Steuer in der Regel über die Kurse und nicht über eine Position im Wettschein — was die Werbung mit „ohne Steuer“ erklären würde. Für den Spieler bleibt nachprüfbar nur das eine: Was kostet dieselbe Wette hier und dort? Der Anbieter ist dabei in der zweiten Reihe der preislichen Vergleichbarkeit, weil er keine gesonderte Staffel angibt.
Was Werbung mit „0 % Wettsteuer“ bei Winamax und ODDSET bedeutet
Zwei weitere Anbieter, die für die Steuerfrage oft zitiert werden, gehören nicht zu den zehn Whitelist-Einträgen dieser Auswahl. Winamax bewirbt sich auf seiner Website mit dem Slogan „0 % Wettsteuer und die besten Quoten“. ODDSET gibt an, weder den Einsatz noch den Gewinn der Spielenden mit einem Steuerabzug zu belegen; Gewinne werden nach den eigenen Worten auf den kompletten Einsatz ohne Abzug ausbezahlt.
Beide Aussagen sind bei genauerem Hinsehen schwach. „0 % Wettsteuer“ beschreibt eine Konstruktion, nicht einen Erlass: Wenn die Steuer in der Quote steckt, ist sie nicht 0 %, sondern nur nicht ausgewiesen. Und die Zusage, den Gewinn nicht mit einem Abzug zu belegen, sagt nichts über eine Steuer, die vorher im Kurs verrechnet wurde — sie ist in einem System, in dem der Anbieter die Steuer selbst trägt, sogar die zwangsläufige Folge. Solche Werbesätze sagen also weniger über die Steuerlast aus, als sie zu wissen vorgeben. Sie sind auch kein Grund, bei einem der zehn konzessionierten Häuser mehr zu erwarten: dort existiert kein Anbieter, der Steuern erlässt, weil kein Anbieter sie erlassen darf.
Wer die Steuer trägt, wie die Zuschreibung funktioniert — und was daraus auf dem Konto bleibt
Den Sätzen der Anbieter lässt sich immer ein Umstand entnehmen: die Steuer ist stets im Spiel. Sie kann bei der Buchung des Quotenkurses berücksichtigt werden, dann fällt sie für die Mehrheit der Spieler nicht sichtbar an, nur am Kurs. Sie kann über die Auszahlung geregelt werden, dann fällt sie bei jedem Gewinn an, und der Verlusttag bleibt frei. Sie kann in den Einsatz eingerechnet werden, dann fällt sie bei jedem Wettschein an, unabhängig von Gewinn oder Verlust. Die dritte Variante ist faktisch wettbewerbsneutral für Gewinner und Verlierer, aber für den Spieler der Nachteil des kleineren Einsatzes.
Ein weiterer Punkt wird oft übersehen: die Steuer ist keine Position, die ein Spieler dem Finanzamt meldet. Sie wird vom Veranstalter abgeführt, unabhängig davon, ob sie im Wettschein ausgewiesen wurde oder nicht. Und die deutsche Steuer greift auch dann, wenn ein Anbieter ohne Zulassung arbeitet. Das hat eine unangenehme Folge: Eine Steuerzahlung ist kein Beleg für eine Erlaubnis.
Was sich für die drei Anbietertypen unterscheidet
Für Anbieter mit deutscher Erlaubnis ist die Lage einheitlich: Sie dürfen nur das regulierte Programm anbieten, müssen die Schutzvorgaben aus dem GlüStV einhalten und entscheiden selbst über den Steuerweg. Die zehn Häuser dieser Liste gehören alle in dieses Feld, mit Unterschieden in der Steuerkonstruktion und in den Zahlungswegen, nicht in der Erlaubnisfrage.
Wie die Steuer im Wettschein verrechnet wird, ist ein Gestaltungsspielraum, der nicht in der Erlaubnisurkunde festgelegt ist. Darum wird ein Spieler, der bei zwei Anbietern die gleiche Wette abschließt, leicht unterschiedliche Ergebnisse erzielen. Das ist kein Zufall und auch kein Fehler des Anbieters, sondern genau die Unsicherheit, die dem „ohne Steuer“ im Titel anhaftet — sie ist nur kein Skandal, sondern normal.
Dasselbe gilt in der Gegenrichtung: Ein Anbieter, der freiwillig etwas ausweist, wird dafür nicht belohnt. Die Regeln und die Kontrolle verlangen keinen Ausweis der Steuer auf dem Wettschein. Wer die Steuerfrage zur Grundlage eines Anbietervergleichs macht, sollte wissen, dass er damit eine selbst gewählte Frage bewertet und nicht einen Punkt, den die Regulierung vorgibt.
Die passende Kontrolle für die Sache
Die Nachprüfung lässt sich mit einfachen Mitteln vornehmen, ohne dass ein Nutzer dafür Daten sammeln müsste: die Whitelist der GGL aufrufen, den Eintrag für die Domain des Anbieters suchen und sehen, ob dort eine Sportwetten-Erlaubnis mit gültigem Eintrag steht. Danach das Erstangebot über die Zahlungswege prüfen, weil diese Zusammenstellung aktueller ist als die Liste selbst. Die Steuerfrage löst sich bei der ersten echten Einsatzentscheidung: Wer denselben Betrag auf dieselbe Quote bei zwei Anbietern setzt, sieht die Differenz in seiner Auszahlung. Ein Vergleich über mehrere tatsächliche Wetten hinweg ist mehr wert als jede Versprechung auf einer Startseite.
Aufpassen sollte man an einer Stelle: Angebote, die mit „ohne Steuer“ werben, aber nicht auf der Whitelist stehen, versprechen die Freiheit von einer Steuer, die dort womöglich überhaupt nicht anfällt. Auf deren Seiten gelten keine OASIS- und LUGAS-Mechanismen, und der Ruf„ohne Steuer“ hat dort einen anderen Preis.
Häufige Fragen zur Sportwettensteuer
Wie hoch ist die Sportwettensteuer in Deutschland, und worauf wird sie berechnet?
Der Satz beträgt 5,3 %, die Bezugsgröße ist der Wetteinsatz abzüglich der Steuer selbst. Wer 100 € zahlt, hat rund 95 € Einsatz darin; die Steuer von 5,3 % darauf entspricht etwa 5,03 % des gezahlten Betrags. Wer die Steuer auf den vollen Einsatz rechnet, kommt auf einen zu hohen Wert.
Wer schuldet die Sportwettensteuer — der Anbieter oder die Spielenden?
Schuldner ist der Veranstalter der Wette, nicht der beteiligte Spielende. Die Steuer wird vom Anbieter berechnet und abgeführt; sie erscheint nicht auf einer Abrechnung des Spielenden. Daraus folgt jedoch nicht, dass sie den Spielenden nichts kostet: Der Anbieter wirkt sie in Quote, Gewinn oder Einsatz ein.
Was bedeutet die Werbung mit „0 % Wettsteuer“ für Quote und Auszahlung?
Sie beschreibt einen Weg der Steuerverrechnung, keinen Steuererlass. Steckt die Steuer in der Quote, senkt sie jeden Kurs ein wenig; fällt sie bei der Auszahlung an, trifft sie die gewonnenen Wetten; wird sie im Einsatz vorab erhoben, ist der effektiv gesetzte Betrag kleiner. Sichtbar wird der Unterschied nur im direkten Vergleich.
Wie rendert sich ein Gewinn, wenn der Anbieter einen Quotenabschlag von 5,3 % vornimmt?
Bei Interwetten tragen die eigenen Bedingungen eine solche Regel: Die Auszahlungsquote und damit der Wettgewinn sinken im Gewinnfall um 5,3 %, ausgenommen Cash-Out-Gewinne, während vom Einsatz nichts abgezogen wird. Eine Einzelwette über 100 € zur Quote 2,00 bringt dann weniger als die 190 € Bruttoertrag; die Differenz liegt im Bereich um 10 €.
Warum bieten Seiten ohne deutsche Erlaubnis Wetten ohne Steuer an, und was fehlt dort?
Weil sie an die hiesigen Erlaubnis- und Schutzregeln nicht gebunden sind. Auf denselben Seiten fehlen OASIS und LUGAS, die anbieterübergreifende Limitdatei und das Einzahlungslimit, und ein Streit über eine Wette wird nicht vor einem deutschen Gericht ausgetragen. Die Steuerfreiheit ist in Wahrheit die Freiheit von Kontrolle.
Lizenz – Kleine Einzahlung
Inhalt erstellt vom Team «Kleine Einzahlung»
